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14.09.2019
| Sonstiges |

Ein Jahr in der "Dom Rep" (13)

(MT) DOMINIKANISCHE REPUBLIK: Ein Jahr war Judy Marie Prybusch aus Schwarzenberg zu einem Praktikum in der Dominikanischen Republik. Bei erzTV berichtete sie monatlich darüber. Hier der letzte Bericht:
Der Himmel ist wolkenverhangen, es regnet und es ist 20 Grad kälter als sonst. Ich muss wieder in Deutschland angekommen sein. So richtig glauben kann ich es noch nicht, dass ich mit Pullover und dicken Socken hier in meinem Zuhause sitze und meinen letzten Bericht schreibe, über ein Jahr, das plötzlich so unwirklich scheint.
Vor ein paar Tagen saß ich noch in der Wärme, aß frischgepflückte Mangos und über das Dröhnen der Mopeds hinweg, hörte ich Bachata aus den Lautsprechern des nächsten Colmados.
Jetzt bin ich wieder in Deutschland und denke über all die Erinnerungen und Erlebnisse nach, die ich aus dem vergangenen Jahr mitgenommen habe. Vor allem den August habe ich noch einmal in vollen Zügen genossen und habe versucht, ein letztes Mal alle Eindrücke aufzusaugen, damit nichts in Vergessenheit gerät.
Anders als am Anfang, schien auf einmal alles so gewohnt und vertraut. Über das Jahr hinweg habe ich mich immer mehr eingelebt und San Juan und die Menschen dort, wurden zu einem Zuhause für mich.
Das Durcheinander auf den Straßen, die Motoconchos und überfüllten Guaguas, die laute Musik und die kleinen Verkaufsstände wurden genauso Teil meines Lebens wie das Duschen aus Wassereimern und die tägliche Portion Reis mit Bohnen. Doch anders als die Monate zuvor, wurde der Abschied jetzt zu einem Begleiter, der viel schneller kam, als ich es wollte.
Gerade in den letzten Wochen schien alles so perfekt. Ich fühlte mich wie ein vollwertiger Teil der Kultur und des Lebens dort, da ich mich an alles gewöhnt und die Sprache gelernt hatte und viele anfangs fremde Menschen nun zu meinen engsten Freunden oder gar zu meiner Familie zählen. Natürlich sah ich auch zum Schluss noch aus, wie eine Fremde, aber so fühlte ich mich schon lange nicht mehr.
Ich erinnerte mich häufig an die Anfangszeit, was ich dachte und empfand und wie anders es jetzt ist, durch die Straßen zu laufen und sich plötzlich so zu Hause zu fühlen.
Doch nun war die Zeit des Abschieds. Ich fuhr ein letztes Mal zu den Ludotecas aufs Campo und nahm noch einmal Spielsachen und Stifte mit, um den Kindern zum Abschied eine Freude zu bereiten.
Bei der Kindereinrichtung in Guanito blieb ich zwei Tage und übernachtete dort wieder bei meiner "Gastfamilie". Ich freute mich sehr, die Kinder noch einmal zu besuchen und auch sie freuten sich, mich zu sehen. Die Kinder der Familie zeigten mir außerdem ganz freudig den Kühlschrank, den sich die Familie endlich kaufen konnte und zur großen Überraschung hatte ich auch gleich etwas dabei, um den Kühlschrank zu füllen. Am Vorabend hatte ich Brownies gebacken, da es in Guanito keine Bäckerei gibt, und die Kinder somit noch nie Brownies oder Ähnliches gegessen hatten.
Die zwei Tage verbrachten wir mit Malen, Armbänderbasteln, Ballspielen, Puzzeln…
Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich dort auf dem Land gemacht habe und die Erinnerungen, die ich mit den Kindern teile.
Neben den Ludotecas stand auch der Abschied von meiner Partnerorganisation FUNDASEP an.
Am letzten Arbeitstag gab es kurz vor Feierabend eine kleine Versammlung mit allen Mitarbeitern, bei der mein Mitfreiwilliger und ich verabschiedet wurden. Zuvor hatten wir beide Muffins gebacken und die Kollegen hatten Schnittchen und frischen Saft zubereitet.
Gemeinsam reflektierten wir das vergangene Jahr und dankten uns gegenseitig für die Zusammenarbeit. Bei über 50 Mitarbeitern hat man natürlich nicht mit allen ein enges Verhältnis aufbauen können, aber es gibt auf jeden Fall Leute, die zu mehr als nur Kollegen für mich geworden sind. Ich habe dort Freundschaften schließen können und bin dankbar für alle gemeinsamen Erlebnisse; sei es das Hören lauter Musik im Büro, die Abstecher auf einen Cocktail nach der Arbeit, das Bestellen von Eis nach der Mittagspause und sogar für die gemeinsamen Überstunden.
Die Kollegin, die mich immer mit ihrem Roller mitnahm, der Kollege aus der Küche, der mir alles über die Früchte der Dominikanischen Republik beibrachte oder mein Kollege, der mir mit so viel Geduld und Verständnis Spanisch gelernt hat, werden für immer Teil dieses großartigen Erlebnisses sein.
Doch ganz besonders dankbar bin ich für eine Kollegin, die gleichzeitig zu meiner besten Freundin geworden ist. Sie war immer für mich da, unterstützte mich in schweren Momenten und gab mir ein Zuhause und eine (dominikanische) Familie. Nie werde ich unsere gemeinsamen Wochenenden in Sabaneta, die Ausflüge zum Fluss und die langen Gespräche auf dem Heimweg nach der Arbeit vergessen.
Es ist etwas ganz Besonderes, mit einem Menschen, dessen Leben, Kultur und Sprache so anders ist, eine solch enge Bindung aufzubauen und sich trotz der Unterschiede so wohl zu fühlen. Der Abschied von ihr uns ihrer Familie fiel mir am schwersten und ich versuchte, es so weit wie möglich herauszuzögern.
Nachdem ich den vorletzten Abend gemeinsam mit meiner Gastfamilie in San Juan verbrachte und meine Gastmutter ein Abschiedsessen organisierte, war ich an meinem letzten Tag vor allem mit Packen beschäftigt und war überrascht, doch alles gut in meine Koffer unterzubringen.
Es war ein sehr komisches Gefühl, mein Zimmer so leer zu sehen und zu wissen, dass bald die nächste Freiwillige darin wohnen wird.
Nachdem ich mich am letzten Abend noch einmal mit zwei Freunden getroffen hatte, um mich endgültig zu verabschieden, kam meine beste Freundin und wir verbrachten meine letzte Nacht in San Juan gemeinsam. Wir kochten, schauten einen Film und versuchten, so wenig wie möglich über den Abschied nachzudenken.
Den nächsten Tag verbrachten wir noch bis zum Mittag zusammen, bevor der Augenblick des Abschieds kam. Es fiel mir nicht leicht, aber das zeigt mir bloß, wie wichtig mir die Menschen und dieses kleine Land geworden sind.
Und wie vor einem Jahr stand eine Frau vor dem großen gelben Haus und winkte mir zu; doch diesmal war sie keine Fremde für mich, sondern meine Gastmutter.
Ich fuhr in die Hauptstadt und verbrachte die letzten Stunden zusammen mit den anderen Freiwilligen. Und dann stiegen wir ins Flugzeug und waren zum einen gefüllt mit Abschiedsschmerz, doch zum anderen gespannt, was uns auf der anderen Seite des Atlantiks erwarten würde.
Und jetzt bin ich wieder da, in der vertrauten Fremde. In einem Land, wo alles so geordnet und unglaublich leise scheint, es 24h Strom gibt und Wasser, das man aus der Leitung trinken kann und zudem auf eine warme Dusche einlädt. Ein Land, wo es alles im Überfluss gibt und niemand in einer Holzhütte mit Wellblechdach wohnen muss.
Ich werde das Jahr in der Dominikanischen Republik niemals vergessen und hoffe, dass mein "dominikanisches-Ich" immer ein Teil von mir bleibt. (Bildquelle: Judy Marie Prybusch)